Robert-Stolz-Straße 33

Bavaria-Ärztehaus

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Hausstaubmilben

Die Hausstaubmilben (Dermatophagoides) sind eine Gattung der Milben, die zu den Spinnentieren zählen. Die häufigsten Hausstaubmilbenarten sind Dermatophagoides pteronyssinus und Dermatophagoides farinae.

Es handelt sich um winzige, für das bloße Auge kaum sichtbare nur ca. 0,1-0,5mm große Spinnentierchen mit 8 Beinen. Da sie sich überwiegend von abgeschilferten Hautschuppen und Nahrungsresten ernähren, findet man sie überall dort, wo Menschen und Tiere leben. Sie gehören daher zu den "normalen Mitbewohnern" in allen Haushalten unserer Breiten. An sich sind sie harmlos, da sie nicht stechen oder beißen und auch keine Krankheiten übertragen. Die allergieauslösenden Eiweißstoffe (Proteine) befinden sich insbesondere im Milbenkot. Diese verteilen sich als feiner Staub (Partikelgröße von etwa 35 µm), werden eingeatmet und können dann Allergien auslösen. Eine Hausstaubmilbe produziert ca. 20 Kotkügelchen am Tag.  Ein Teelöffel voll Schlafzimmerstaub enthält im Schnitt fast 1000 Milben und 250.000 winzigster Kotkügelchen. Diese verbleiben weniger in den Kissen als tote Milben, sondern werden aufgrund ihrer Leichtigkeit und Form überwiegend in die Luft geschüttelt.

Hausstaubmilben fühlen sich in feuchtwarmer Umgebung (Temperaturen von 20-30°C; Luftfeuchtigkeit 65-80%) besonders wohl und können sich unter diesen Bedingungen am besten vermehren. Wobei die höhere Luftfeuchtigkeit den wesentlichen Faktor darstellt.

D. farinae bevorzugt etwas wärmere Orte und kann etwas höhere Trockenheit ertragen (Optimum bei 25–30 °C und 70–75 % rel. Feuchte, gegenüber 15–20 °C und 75–80 % rel. Feuchte bei D. pteronyssinus). 

 

Optimale Lebensbedingungen finden Milben bei 25 - 30 ºC und einer relativen Luftfeuchtigkeit von 65 - 80 %. Im Sommer vermehren sie sich daher am schnellsten. Ihre Lebensdauer liegt bei ca. 60 bis 120 Tagen. Sie ernähren sich bevorzugt von menschlichen und tierischen Hautschuppen aber auch von anderen Bestandteilen des Hausstaubes, z.B. Schimmelpilzen. Mit ihren Saugfüßen können sie sich wirkungsvoll an Teppichen und anderen Untergründen festhalten und sich dadurch der Entfernung, z.B. durch Staubsaugen, widersetzen.

Die allergischen Beschwerden treten bei Hausstaubmilbenallergiker typischerweise ganzjährig auf, oft aber auch in Abhängigkeit von der Jahreszeit ( z.B. während der Heizperiode) verstärkt auf. 

Weitere Ursachen für ganzjährige allergische Beschwerden können neben den Hausstaubmilben auch Schimmelpilze und Tierhaare mit den an ihnen haftenden Partikeln (Urin und Speichel des Tieres) sein.

Mit Hilfe einer genauen Anamnese und eines Allergietests (Pricktest, Blutuntersuchung, eventuell Provokationsuntersuchung auf der Nasenschleimhaut oder Augenbindehaut) lassen sich Hinweise auf das auslösende Allergen finden.

In manchen Fällen kann auch ein Labortest Klarheit verschaffen, mit dem Antikörper gegen die Milbenallergene im Blut nachgewiesen werden.

 

 

Behandlung der Hausstaubmilbenallergie

Die größte Bedeutung kommt der Meidung der Allergene (Allergenkarenz) beispielsweise durch entsprechende Sanierungsmaßnahmen im häuslichen Umfeld zu.

Die allergischen Beschwerden lassen sich durch bestimmte Medikamente (Antiallergika, Antihistaminika) lindern, die jedoch keinen Einfluß auf die Ursache der Allergie haben.

Schließlich gibt es noch die Möglichkeit der spezifischen Immuntherapie (Hyposensibilisierung). Ziel einer solchen Behandlung ist es, dem Immunsystem seine fehlerhafte Reaktion wieder abzugewöhnen. Um dies zu erreichen wird dem Körper das auslösende Allergen regelmäßig und in steigender Dosierung so lange injiziert, bis er darauf nicht mehr oder nur noch wenig allergisch reagiert. Für Kinder oder sehr empfindliche Patienten gibt es auch eine Tropfenlösung zum Einnehmen. Nach erfolgreicher Hyposensibilisierung benötigt man deutlich weniger Allergiemedikamente, idealerweise können diese sogar ganz abgesetzt werden. Darüber hinaus kann die spezifische Immuntherapie das Risiko der Ausbildung weiterer Allergien gegen andere Allergene oder der Verlagerung der Beschwerden von der Nase (allergischer Schnupfen) auf die Lunge (allergisches Asthma) reduzieren.

 

Wohnraumsanierung

Eine zentrale Rolle bei der Behandlung der Hausstaubmilbenallergie spielt neben der spezifischen Immuntherapie und der symptomatischen Behandlung die Meidung der auslösenden Milbenallergene (Allergenkarenz). Durch geeignete Maßnahmen im häuslichen Umfeld lässt sich oft die Milbenallergenmenge in der Wohnung deutlich reduzieren und schon dadurch ein spürbarer Effekt auf die allergischen Beschwerden erreichen.

Es sind aber nicht nur die lebenden Milben, die allergische Symptome auslösen können. Mit Beginn der Heizperiode sterben mehr Milben aufgrund der niedrigen Luftfeuchtigkeit ab. Allergenhaltige Partikel abgestorbener Milben und Milbenkot zerfallen dann zu feinem Staub und können so noch leichter aufgewirbelt und eingeatmet werden.

Die besten Lebensbedingungen finden Hausstaubmilben in unseren Betten. Dort ist es schön warm, nächtliches Schwitzen sorgt für milbenfreundliche Luftfeuchtigkeit und die Milben finden hier ihre Lieblingsnahrung, die Hautschuppen, in großen Mengen vor.

Sanierungsmaßnahmen sollten daher beim Bett beginnen und dann auf das übrige Schlafzimmer und auf die weiteren Räume der Wohnung ausgedehnt werden.

 

Bett und Bettzeug

Als wichtigste Maßnahme sollten insbesondere die Matratze, aber optimalerweise auch Bettdecke und Kopfkissen mit einem milbendichten Überzug (sogenanntes Encasing) überzogen werden. Diese Spezialbezüge kommen unter die normale Bettwäsche. Die Porengröße des Abdeckungsstoffes ist für Milben und Milbenallergene undurchdringlich (Porengröße sollte bei 0,5 µm liegen) . Das Material sollte wasserdampfdurchlässig („atmungsaktiv“) sein. Durch diese Maßnahmen kann die Zahl der Milben im Bett deutlich reduziert werden. Wichtig ist, dass die Matratze vollständig umhüllt wird. Ein allergendichtes Spannbettlaken allein reicht nicht aus. Die Nähte und Reißverschlüsse sollten verschweißt bzw. abgedeckt sein.
Diese Spezialüberzüge sollten nicht zu häufig gewaschen werden (ca. 2 - 3mal pro Jahr), um die milbendichte Beschichtung nicht zu beschädigen. Für die schnelle Reinigung reicht feuchtes Abwischen. Ist die Hausstaubmilbenallergie gesichert, werden die Kosten für die Überzüge in der Regel von der Krankenkasse übernommen.

Achten Sie bei der Anschaffung von neuen Oberbetten und Kopfkissen auf die Waschbarkeit bei mindestens 60 ºC. Die Bettwäsche (optimalerweise aus Baumwolle) sollte einmal in der Woche bei mindestens 60 ºC gewaschen werden. Falls die Textilien nur bei 30-40° gewaschen werden dürfen hilft es diese im Wäschetrockner für 2 Stunden bei 60-80° zu trocknen.

Eventuell ist es auch sinnvoll, eine neue Matratze anzuschaffen. Diese sollte von Anfang an mit einem Encasing-Bezug umhüllt werden und keine Rosshaarfüllung aufweisen.

Ein Bettgestell mit Füßen und ohne Bettkasten erlaubt bessere Luftzirkulation und den Abtransport von Feuchtigkeit.

Betten täglich gut auslüften, dies ist insbesondere in der trockenen und kalten Winterluft sehr effektiv. Sie sollten die Bettwäsche allerdings vor dem Hereinholen kräftig ausschütteln.

Kuscheltiere sollten möglichst aus dem Bett entfernen werden. Falls Ihr Kind nicht auf diese verzichten will oder kann, sollten Sie auf Waschbarkeit achten. Durch das Einfrieren von Kuscheltieren und Kopfkissen im Tiefkühlschrank über Nacht können die Milben zwar abgetötet werden, aber erst durch Waschen werden die Allergene auch daraus entfernt.

 

Schlafzimmer und übrige Räume

Die optimale Schlafzimmertemperatur beträgt 18 - 20 ºC, die Luftfeuchtigkeit zwischen 45 - 55%. Häufiges Lüften der Wohnung ist günstig, da die Hausstaubmilben keine Kälte mögen.

Durch das Entfernen von Staubfängern entzieht man Milben den Lebensraum. Hierzu gehören (besonders langhaarige) Teppiche, Teppichböden, Felle und Vorhänge.

Glatte Böden bieten den Milben keine Rückzugsgebiete, allerdings wird der Staub von Ihnen leichter aufgewirbelt, besonders bei Fußbodenheizungen. Häufiges feuchtes (Staub-) Wischen beugt dem vor.

Lassen Sie Haustiere nicht direkt ins Schlafzimmer.

Bei herkömmlichen Staubsaugern sollten die Staubbeutel häufig gewechselt werden, um eine gute Saugleistung zu erhalten. Da auch bei guten Feinstaubfiltern ggf. noch Allergenpartikel aufgewirbelt werden können, sollte dieser Teil der Hausarbeit eventuell nicht von dem Allergiker selber durchgeführt werden. .

Topfblumen erhöhen die Luftfeuchtigkeit, und die Blumenerde ist ein Reservoir für Schimmelpilze. Zumindest im Schlafzimmer sollte man auf Blumen verzichten.

Luftbefeuchter können ebenfalls das Wachstum von Schimmelpilzen und Hausstaubmilben begünstigen. Achten Sie auf feuchte Wände in der Wohnung und entfernen Sie die Ursachen dafür. 

 

Urlaub

Hausstaubmilben fühlen sich in Höhenlagen über 1200 m aufgrund der niedrigen Luftfeuchtigkeit nicht mehr wohl.

Fragen sie, bevor Sie einen Urlaub buchen, nach allergikergerechten Hotelzimmern und Ferienhäusern.

Nehmen Sie die milbendichten Bettüberzüge mit in den Urlaub.

Hausstaubmilbenallergie

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